Servicequalität:
Wie komfortabel ist das Angebot?
Seite drucken
Dies ist eine Druckversion des Handbuchs zu bedarfsorientierten Mobilitätsangeboten („Mikro-ÖV“), das in der aktuellsten Fassung unter handbuch.bedarfsverkehr.at online verfügbar ist.
Erstelldatum: 24.10.2026.
Verschiedene Parameter bestimmen die Qualität und Attraktivität eines bedarfsorientierten Angebots für die Nutzer*innen und haben gleichzeitig Auswirkungen auf dessen Kosten. Die Servicequalität spielt vor allem für automatisch disponierte Angebote eine Rolle (siehe
Disposition). Nur beim Einsatz von Dispositionssoftware besteht die Möglichkeit, die Einhaltung dieser Parameter auch zu kontrollieren.
Besonders bei Projekten mit ökologischer
Zielsetzung, wo es darum geht, die Abhängigkeit vom Privatfahrzeug zu verringern, ist eine hohe Qualität und damit Attraktivität des Angebots von entscheidender Bedeutung.
Wie viel Zeit vor der gewünschten Fahrt soll der Bedarfsverkehr bestellt werden müssen?
Die Vorbestellzeit ist vor allem von der Größe des Bediengebiets abhängig, weil dabei der Anfahrtsweg berücksichtigt werden muss. Für Nutzer*innen hat natürlich eine möglichst kurze Vorbestellzeit und damit hohe Flexibilität die größte Attraktivität. Die üblichste Vorgabe bei bestehenden Projekten ist eine Vorbestellzeit von 30 Minuten. Die im Zuge der Erstellung dieses Handbuchs befragten Expert*innen waren größtenteils der Meinung, dass eine noch kürzere Vorbestellzeit angestrebt werden sollte.
Für Nutzer*innen verbessern sich die Chancen, dass die Abweichung vom gewünschten Fahrtzeitpunkt gering ist, wenn sie ihre Fahrt möglichst früh bestellen (d.h. vor anderen Nutzer*innen, die zur gleichen Zeit fahren möchten).
Für die Bündelbarkeit von Fahrten würde eine längere Vorbestellzeit nur dann eine Rolle spielen, wenn der Abholzeitpunkt einzelner Nutzer*innen auch nach der Buchung noch angepasst werden könnte. Bei Angeboten, bei denen die Disposition manuell direkt durch das Fahrpersonal durchgeführt wird, kann eine längere Vorbestellzeit jedoch den Stress reduzieren und die Planbarkeit verbessern.
|
Das Ortstaxi Mannersdorf kann bis 15 Minuten vor dem gewünschten Fahrtzeitpunkt bestellt werden. |
|---|
Wie groß soll die maximale Abweichung vom gewünschten Fahrtzeitpunkt sein?
Die Abweichung vom gewünschten Fahrtzeitpunkt ist das wichtigste Kriterium für die Attraktivität eines Angebots. Sie ist abhängig von der Nachfrage, der Größe des Bediengebiets und der Zahl der Fahrzeuge, die für den Bedarfsverkehr zur Verfügung stehen.
Bei der Mehrzahl der bestehenden Bedarfsverkehre, die zum größten Teil nur ein Gemeindegebiet bedienen und ein relativ geringes Fahrgastaufkommen haben, ergeben sich in der Regel nur geringe Abweichungen. Dazu stehen jedoch keine systematischen Auswertungen zur Verfügung.
Eine explizit kommunizierte Bediengarantie gab es bisher nur vereinzelt bei großen regionalen Angeboten in Zusammenarbeit mit Systemanbietern. Da es sich oft um große Bediengebiete handelte, woraus sich lange Anfahrtswege ergeben können, war die Bediengarantie dort häufig auf eine Stunde festgelegt.
Die tatsächliche durchschnittliche Abweichung ist eine wesentliche Kennzahl für die Attraktivität eines Angebots, die insbesondere bei automatisiert disponierten Angeboten gemessen und laufend evaluiert werden sollte (siehe Evaluierung).
Wie groß soll der maximale Umweg sein?
Die Bündelung von Fahrten bringt in der Regel für die einzelnen Nutzer*innen eine längere Fahrtzeit mit sich, weil während der Fahrt andere Personen ein- oder aussteigen und dafür auch Umwege gefahren werden. Der Serviceparameter definiert, wie viel länger als eine direkte Fahrt die Fahrt mit dem Bedarfsverkehr dauern darf.
Allgemein kann gesagt werden, dass die gleiche Zeit, wenn sie im Fahrzeug verbracht wird, von den meisten Nutzer*innen subjektiv kürzer wahrgenommen wird, als wenn sie auf die Abholung durch den Bedarfsverkehr warten müssen.
Eine explizite Festlegung dieses Serviceparameters ist vor allem dann notwendig, wenn eine Software zur automatisierten Disposition eingesetzt wird.
[[Handbuch:|Details zum Thema ]]
Disposition beschreibt den Vorgang, wie Fahrtwünsche zu Routedarn für die eingesetzten Fahrzeuge zusammengestellt werden. Den Nutzer*innen sollte bei der Buchung sofort mitgeteilt werden können, zu welchem Zeitpunkt ihnen eine Fahrt angeboten werden kann.
Die üblichsten Formen sind:
manuelle Disposition und telefonische Buchung direkt bei den Fahrer*innen
Bei kleineren Bedarfsverkehren, bei denen nur ein einzelnes Fahrzeug im Einsatz ist und die Zahl der Nutzer*innen nicht zu hoch ist, hat es sich bewährt, wenn Fahrten direkt telefonisch bei den Fahrer*innen gebucht werden und diese sich selbst ihre Routen zusammenstellen.
automatisierte Disposition mit Buchung über Telefonzentrale oder App
Sobald mehrere Fahrzeuge im Einsatz sind, ist es sinnvoll bzw. nötig, die Koordinierung der Fahrten (Disposition) von einer dafür erstellten Software übernehmen zu lassen. Die Buchung erfolgt dann über eine Telefonzentrale oder über Apps.
Bedarfsverkehr ist ein Baustein im Verbund der nachhaltigen Alternativen und schließt eine wichtige Lücke auf der sogenannten ersten/letzten Meile. Besonders, wenn es um einen Beitrag zur Mobilitätswende geht, ist die optimale Verknüpfung mit den anderen komplementären Angeboten – und hier zuallererst dem öffentlichen Linienverkehr – von größter Bedeutung.
Die wichtigsten Aspekte von Integration sind:
integrierte Beauskunftung
integrierte Buchung und Bezahlung
Fahrgeldeinnahmen sind ein wichtiger Teil der Finanzierung von Bedarfsverkehren, können in der Regel die Kosten aber bei weitem nicht decken. Sie haben starken Einfluss darauf, wie das Angebot von Nutzer*innen wahr- und angenommen wird.
Damit Bedarfsverkehr noch stärker als Teil des öffentlichen Verkehrs wahrgenommen wird, empfiehlt sich in der Regel die Integration in den Tarif des Verkehrsverbunds. Bei Angeboten, bei denen die soziale Zielsetzung im Vordergrund steht, kann gegebenenfalls auch ein noch günstigerer Tarif zur Anwendung kommen.
Bedarfsverkehre können aus unterschiedlichen Gründen eingeführt werden und auch mehrere Ziele zugleich verfolgen. Typischerweise spielen eines oder mehrere dieser Motive für die Einführung von Bedarfsverkehr eine Rolle:
Grundversorgung
Die Mobilitätschancen von Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, ein eigenes Fahrzeug zu nutzen, sollen verbessert werden.
Mobilitätswende
Es soll eine attraktive Alternative zum Pkw geschaffen werden, um zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.
Tourismus
Ein Angebot für Tourist*innen soll zur Verfügung gestellt werden.
Je nach Gewichtung dieser Zielsetzungen ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen für die Gestaltung eines Angebots.
Die laufende Evaluierung ist von Bedeutung, um den Erfolg eines Angebots beurteilen zu können und liefert eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung.
Die wichtigste Möglichkeit besteht in der Erfassung und Auswertung von Kennzahlen, darüber hinaus sind Befragungen zur Nutzer*innenzufriedenheit möglich oder Erhebungen bei Personen aus der Zielgruppe, die das Angebot bisher noch nicht nutzen.
Die wichtigsten Kennzahlen, die auch einen Vergleich unterschiedlicher Angebote erlauben, sind:
- Fahrgäste pro Jahr (bzw. Beförderungsfälle je Einwohner*in und Jahr)
- Fahrgäste je Fahrt (als Näherungswert für den Besetzungsgrad)
- Fahrzeugkilometer je Fahrgast
- Betriebskosten je Fahrgast
- Fahrgeldeinnahmen je Fahrgast
- Betriebskosten je Fahrzeugkilometer
- Kostendeckung
[[Handbuch:|Details zum Thema ]]
Bedarfsverkehr ist ein Angebot von sehr hoher Qualität und deshalb auch mit den entsprechenden Kosten verbunden. Als Teil des öffentlichen Verkehrs wird Bedarfsverkehr immer von Subventionen abhängig sein.
Eine Möglichkeit, die Kosten für die Gemeinde relativ gering zu halten, ist unter bestimmten Voraussetzungen die Durchführung der Fahrten durch ehrenamtliche Fahrer*innen.
Die unterschiedlichen Modelle von Bedarfsverkehr bringen unterschiedliche Kostenstrukturen mit sich, die in der Beschreibung der Modelle detaillierter dargestellt werden.
Generell können folgende Kostenbestandteile unterschieden werden:
- einmalige Initialkosten, z.B. Kosten für Planung und Konzeption, Fahrzeuganschaffung, Haltestellenbeschilderung, Einführungs-Marketing
- laufende Fixkosten, z.B. Personalkosten, Versicherungen, Telefongebühren, laufendes Marketing
- laufende variable Kosten, z.B. Strom- bzw. Treibstoffkosten
Verschiedene Parameter bestimmen die Qualität und Attraktivität eines bedarfsorientierten Angebots für die Nutzer*innen und haben gleichzeitig Auswirkungen auf dessen Kosten. Die Servicequalität spielt vor allem für automatisch disponierte Angebote eine Rolle (siehe Disposition). Nur beim Einsatz von Dispositionssoftware besteht die Möglichkeit, die Einhaltung dieser Parameter auch zu kontrollieren.
[[Handbuch:|Details zum Thema ]]
Da die meisten Menschen noch keine Erfahrungen mit Bedarfsverkehr gemacht haben, ist eine umfassende und kontinuierliche Kommunikation für den Erfolg eines Angebots von zentraler Bedeutung. Leider wird diesem Aspekt häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Es ist wichtig, die dafür nötigen Ressourcen von Anfang an mitzuplanen und die Verantwortlichkeiten zu klären. Marketing ist nicht nur zu Projektbeginn wichtig, es muss auch im laufenden Betrieb Zeit und Geld dafür eingeplant werden.
Mögliche Marketingmaßnahmen umfassen:
- Information auf der Gemeinde-Webseite
- regelmäßige Information in der Gemeindezeitung/im Amtsblatt
- Logo
- Fahrzeug-Branding
- Postwurf
- Flyer (Auslegen in Gaststätten und Beherbergungsbetrieben)
- Vorbildwirkung
- regelmäßige Postings in den sozialen Medien
- Werbeschaltungen in Regionalmedien oder in den sozialen Medien
- eigener Webauftritt des Angebots
- Infoveranstaltungen
- Information am Bahnhof/bei Haltestellen
- Plakate
- Hinweis in der Neubürgerinformation
- Haltepunkttafeln
- Mundpropaganda (auch gezielt über Multiplikator*innen, z.B. Wirt*innen, Vereinsobleute etc.)
- Präsenz bei Veranstaltungen
Das Bediengebiet eines Bedarfsverkehrsangebots kann je nach den Zielsetzungen und Bedürfnissen der Zielgruppen unterschiedlich festgelegt werden:
mit einzelnen Zielen außerhalb
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von mobil-am-land.at. Durch die Nutzung von mobil-am-land.at erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.